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Sarracenia - die Schlauchpflanze

Fitzgerald - Sarracenia minor var. minor Milton, Forida - Sarracenia leucophylla North Florida - Sarracenia minor var. minor
Sarracenia minor var. minor - Fitzgerald Sarracenia leucophylla - Milton, Forida Sarracenia minor var. minor - North Florida
Allgemeines

Sarracenien gehören zu den Fallgruben. Die meisten Arten bilden hohe aufrechte Schläuche aus, die durch einen unbeweglichen Deckel vor dem Eindringen von Regenwasser geschützt sind. Nur Sarracenia purpurea und Sarracenia psittacina weichen davon ab.

Sarracenia purpurea bildet flach aufliegende, nach oben offene Schläuche aus. Die Pflanze sammelt damit aktiv Regenwasser ein. Da wohl nur junge Schläuche eigene Enzyme produzieren ist sie vermutlich auf Bakterien angewiesen, die die gefangen Insekten zersetzen. Die so gewonnen Nährstoffe werden dann von der Pflanze aufgenommen (McPherson, Schnell, 2011 Seite 431)

Sarracenia psittacina bildet ebenfalls Horste aus flach aufliegenden Schläuchen aus. Die Schläuche dieser Art sind am Ende in Richtung Pflanzenmitte gebogen, der Schlaucheingang zeigt immer zur Pflanzenmitte hin. Die Innenseiten der Schläuche von Sarracenia psittacina sind mit kleinen Härchen besetzt. Sarracenia psittacina kommt am teilweise vollkommen überfluteten Standorten vor. Die Schläuche fungieren während dieser Zeit als Reusenfalle.

Die anderen Arten bilden hohe Schläuche, zum Teil bis zu einem Meter, aus. Angelockt durch Nektarausscheidungen im Deckelbereich der Schläuche landen Insekten auf den Pflanzen. Da die Innenseiten der Schläuche so glatt sind, dass sich Insekten daran nicht festhalten können fallen sie in den Schlauch, wo sie dann von der Pflanze verdaut werden. Sarracenien sind sehr effektive Fänger. Im Sommer sind die Schläuche oftmals bis zum Rand mit Insekten gefüllt.

Benannt wurden Sie nach dem Botaniker Michel Sarrazin (1659-1735). Er war es, der die ersten lebenden Pflanzen Sarracenia purpurea aus der kanadischen Provinz Quebec zu Joseph Pitton De Tourefort nach Paris sandte. Die erste Abbildung von Sarracenia purpurea stammt bereits aus 1576 und wurde von Mathias De L'Obel angefertigt.

Stewart McPherson und Donald Schnell veröffentlichten 2011 eine Monografie der Gattung. In diesem knapp 800 Seiten starken Werk beschrieben sie diverse neue Unterarten, Varianten und Formen (McPherson, Schnell 2011).

Vorkommen

Das Hauptverbreitungsgebiet der Gattung sind die Ost- und Südost-Staaten der USA. Dort wachsen sie vor allem in Küstennähe. Einige Arten, z.B. Sarracenia oreophila oder Sarracenia rubra haben nur sehr kleine Verbreitungsgebiete. Das größte Verbreitungsgebiet aller Arten hat Sarracenia purpurea. Diese Art kommt auch in Kanada vor, dort dann sogar bis in den Westen.

Kultur

Beachtet man ein paar Dinge, sind Sarracenien nicht sonderlich schwer zu kultivieren. Die Pflanzen sind auf einen kalten Winter angewiesen. Fröste werden zum Teil auch sehr gut vertragen. Das Auslassen der Winterruhe schwächt die Pflanze auf Dauer. Zu Winterbeginn sterben die meisten Schläuche ab und die Pflanze beginnt damit, sich auf den Winter einzustellen. Im Frühjahr werden dann die Blüten und neue Schläuche gebildet. Während des Sommers hält man die Pflanzen am besten an einem vollsonnigen Ort im Freien. Aufgrund der Größe und dem Bedarf an einem kalten Winter sind Sarracenien für Terrarien nicht geeignet.

Ich kultiviere meine Pflanzen ganzjährig im Gewächshaus. Die Temperaturen fallen im Winter nie unter 5°C, im Sommer können Sie bis auf 40°C ansteigen. Die Naturstandorte der meisten Arten sind immer Sommer heiß und schwül. Daher werden hohe Temperaturen von den Pflanzen generell gut vertragen.

Als Substrat verwende ich eine lockere Mischung auf Torf/Perlite. Die Töpfe können nicht groß genug sein. Je mehr Platz man den Pflanzen gibt, umso schöner und größer werden sie.

Die Pflanzen mögen gerne so viel Sonne wie möglich bekommen. Nur dann färben sie sich typisch aus.

Sarracenien werden gerne ganzjährig in Moorbeeten gehalten. Dies funktioniert bei einigen mir bekannten Leuten sehr gut, keine Frage! Allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass – zumindest aus meiner Sicht – die Kultur der meisten Arten in einem deutschen Moorbeet sicher nicht das Optimum für die Pflanzen darstellt. Oft treiben Sarracenien in deutschen Moorbeeten erst Anfang bis Mitte Mai aus. Zu dieser Zeit sind die Pflanzen am Naturstandort in den USA zum Teil bereits verblüht. Des Weiteren endet unsere Saison in der Regel bereits Ende September, wenn die Pflanzen in den USA zum Teil noch voll im Saft stehen. Die Vegetationsperiode in einem deutschen Moorbeet ist also etwa drei Monate kürzer, als am Naturstandort. Außerdem sind unsere Winter sicher etwas härter, als die Winter an den Naturstandorten. Ob dies langfristig für die Pflanzen ein Problem darstellt mag ich allerdings nicht beurteilen wollen. Sarracenia purpurea ssp. purpurea stellt, was die Winterhärte betrifft sicherlich die robusteste Art dar und sollte in Moorbeeten gut funktionieren.

Vermehrung

Sarracenien lassen sich gut über Samen und Teilung vermehren. Im Laufe der Jahre bilden die Pflanzen mehrere Vegetationspunkte aus, die man dann mit einer Schere gut trennen kann. Die einzelnen Teilstücke kann man dann einzeln eintopfen. Sollte ein Teilstück mal keine eigenen Wurzeln haben, ist das in der Regel kein Problem. Ich topfe solche Teilstücke einfach ganz normal ein, die allermeisten davon bilden nach kurzer Zeit wieder Wurzeln aus und wachsen problemlos weiter.

Die Vermehrung über Samen ist auch nicht sonderlich schwer. Die Samen legt man einfach unbedeckt auf das Substrat auf. Man muss hierbei allerdings beachten, dass die Samen nach einer Kältebehandlung besser keimen. Dazu kann man z.B. die Aussaattöpfe einige Wochen in den Kühlschrank stellen. Hierbei muss man allerdings stark auf Schimmel achten! Ich mache es daher meistens so, dass ich die Samen gegen Winterbeginn in meinem frostfreien Gewächshaus aussäe und einfach warte, bis sie im Frühjahr keimen. Sämlinge brauchen 2-3 Jahre, bis sie selbst wieder blühen können.

Schädlinge

Schädlinge kommen hin und wieder vor. Hier sind vor allem Blattläuse zu nennen. Bei starkem Befall hilft Provado von Bayer (Wirkstoff Imidacloprid) zielsicher. Dieses Mittel hilft auch gut gegen Woll- und Schildläuse.

Hat man es mit Weichhautmilben zu tun, muss man zu einem Arkazid greifen. Ich verwende in diesen Fällen meistens Kiron Milben-Ex von Dr. Stähler (Wirkstoff Fenpyroximat)

Literatur

McPherson, S. & Schnell, D. 2011: Sarraceniaceae of North America, Redfern Natural History Productions Ltd., Poole, ISBN: 978-0955891861