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Utricularia - der Wasserschlauch

Utricularia parthenopipes Chapada dos Veadeiros, Goiás - Utricularia laciniata Henri Pittier - Utricularia alpina
Utricularia parthenopipes Utricularia laciniata - Chapada dos Veadeiros, Goiás Utricularia alpina - Henri Pittier
Allgemeines

Die Gattung Utricularia ist die größte Gattung unter den Karnivoren. Es gibt aktuell über 230 Arten, neue werden immer noch beschrieben.

Die Gattung lässt sich ganz grob in schwimmende, ständig im Wasser lebende Arten, sowie an Land lebende Arten unterteilen. Die zweite Gruppe macht den größten Anteil der Gattung aus. Unter diesen terrestrisch lebenden Arten gibt es Arten, die epiphytisch auf Bäumen wachsen, rheophytisch auf Steinen, aber auch Arten, die im Boden fixiert vorkommen. Eine einzige Art, Utricularia menziesii aus Westaustralien bildet sogar, genau wie die Knollendrosera, Knollen aus, um den trockenen Sommer zu überstehen.

Innerhalb der Gattung gibt es mehrjährige Pflanzen, ebenso wie eine ganze Reihe einjähriger Pflanzen. Die Größe variiert ebenfalls sehr stark. Die kleinste Art, Utricularia simmonsii steht mit ihrer knapp 1mm kleinen Blüte im krassen Gegensatz zu den großen Vertretern der Gattung, wie z.B.: Utricularia longifolia oder Utricularia humboldtii. Die Blätter dieser Arten können Längen von mehr als 70cm erreichen.

Utricularien fangen ihre Beute unterirdisch. An ihren Rhizoiden bilden die Pflanzen kleine Fangblasen in denen ein Unterdruck besteht. Diese Fangblasen besitzen am Eingang kleine Härchen. Werden diese Härchen von einem kleinen Tier gereizt, saugt die Falle das Tier blitzschnell ein. Dieser Vorgang dauert nur sehr wenige Millisekunden und ist damit einer der schnellsten in der kompletten Pflanzenwelt.

Vorkommen

Utricularien kommen, mit Ausnahme der Wüsten, der Arktis und Antarktis auf allen Kontinenten vor. Die Pflanzen besiedeln die unterschiedlichsten Standorte. Man kann Utricularien z.B. in Seen, an Flüssen, auf offenen Sandflächen oder auf Bäumen finden. In Deutschland kommen einige freischwimmende Arten vor.

Kultur

Die Gattung ist viel zu komplex, um allgemeingültige Kulturangaben zu machen. Das folgende ist daher nur zur groben Orientierung gedacht. Genaueres sollte man für jede Art selbst in Erfahrung bringen.

epiphytische Arten

Unter diese Arten fallen einige der schönsten Utricularia wie z.B. Utricularia campbelliana oder Utricularia quelchii. Da die Pflanzen in der Natur meist auf Bäumen leben, benötigen Sie in Kultur ein luftiges Substrat. Hierzu kann man reines Sphagnum sehr gut verwenden. Die Pflanzen mögen zwar immer feucht stehen, aber nicht im ständigen Anstau. Unter diese Pflanzen fallen auch viele der echten Hochland-Utricularien. Bei der Kultur dieser Arten ist zusätzlich noch an eine Nachtabkühlung (optimal wären sicherlich 12-15°C) zu denken. Diese Arten verlangen alle möglichst viel Licht.

einjährige Arten

Hier muss man die Herkunft beachten. Kommen die Pflanzen aus tropischen Gegend ist eine ganz andere Kultur erforderlich als für Arten aus subtropischen Gegenden. Was viele gemeinsam haben ist die Tatsache, das die Standorte in der Regel ein Teil des Jahres trocken fallen. Als grobe Richtlinie kann man sagen, dass die Arten aus den subtropischen Bereichen eher im Winter wachsen, während die Arten aus tropischen Gebieten eher im Sommer wachsen werden. Entsprechend ist auch die Temperatur zu wählen, winterwachsende Arten mögen es recht kühl, während es für die tropischen Arten fast nicht warm genug sein kann.

mehrjährige terrestrische Arten

In diese Gruppe fallen z.B. die gängigen Anfängerarten Utricularia livida und Utricularia sandersonii aus Südafrika. Diese Arten sind oftmals erstaunlich einfach zu kultivieren. Eine helle Fensterbank ist oftmals bereits ausreichend. Die Pflanzen mögen immer recht feucht und hell stehen. An die Temperatur werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Bei einigen Arten ist allerdings zu bedenken, dass ein kalter Winter zur Blühinduktion notwendig zu sein scheint. Dies ist mir z.B. bei Utricularia praelonga oder Utricularia dichotoma aufgefallen.

großblättrige südamerikanische Arten

Hierzu zählen z.B. Utricularia reniformis oder Utricularia longifolia. Diese Arten bilden zum Teil recht große Blätter und entsprechende Rhizoidgeflechte aus. Daher sind hier große Töpfe angesagt. Utricularia reniformis kultiviere ich z.B. in einem 35er-Topf. Als Substrat verwende ich je nach Art Sphagnum oder Torf/Sand/Perlite-Mischungen. Auch hier scheint bei einigen Arten, z.B. Utricularia reniformis ein kalter Winter zur Blütenbildung notwendig zu sein. Utricularia longifolia kommt dagegen mit kalten Wintern nicht so gut zu recht.

Vermehrung

Die allermeisten Utricularien lassen sich problemlos teilen. Dazu nimmt man einfach vorsichtig ein Stück Pflanze aus dem Topf und setzt es in einen neuen Topf ein.

Einige Arten produzieren problemlos Samen, der auch sehr gut keimt. Leider können diese Arten dadurch sehr schnell zur Plage werden, indem sie sich invasiv in alle Töpfe verteilen. Hier sind insbesondere Utricularia subulata und die kleinen Formen von Utricularia bisquamta zu nennen.

Schädlinge

Schädlinge kommen an Utricularien eher selten vor. Die großblättrigen Arten können schon mal von Blattläusen befallen werden. Hier hilft der Wirkstoff Imidacloprid (z.B. Provado von Bayer) sehr gut.

Ein Problem, dass viel öfter auftritt ist falscher und echter Mehltau. Gerne werden die Blütenstängel befallen. Gegen echten Mehltau hilft Celaflor Pilzfrei Ectivo (Wirkstoff Myclobutanil) recht gut. Gegen unechten Mehltau kann man Gemüse Pilzfrei Infinito von Bayer verwenden.